Detaillierte Nutzerprofile – wo bleibt der Datenschutz? | Track Your Tracker

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Track your tracker Website
Posted by: Carsten Feller Category: Datenschutz Tags: , Comments: 0 Post Date: 22. Juli 2014

Detaillierte Nutzerprofile – wo bleibt der Datenschutz? | Track Your Tracker

Webtracking ist heutzutage allgegenwärtig. Niemand will die kostbare Herde Nutzvieh, gemeint sind die Besucher der Webseiten, ungeschröpft vorbeiziehen lassen. In der „Geiz ist geil“ und „Immer billigerer…“ Epoche sind die Nutzerdaten halt zur inoffiziellen Währung im WWW geworden.

Auf einer Website des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie kann man sich an Hand von 1500 Websites (die deutschen TOP 500 sind auch dabei) anschauen, wo welche Webtracker zum Einsatz kommen.

Auf https://www.sit.fraunhofer.de/de/track-your-tracker/ gibt es einen Tracker-Status-Checker und weitere Informationen zum Thema Webtracking.

Interessantes Detail: Die Tracking Werkzeuge eines Anbieters werden auf tausenden von Websites eingesetzt. Die Bewegungen und Aktionen eines Besuchers werden also nicht nur auf einer einzelnen Website verfolgt und dann vom Besitzer der entsprechenden Website ausgewertet – bei dem Anbieter des Tracking Werkzeugs entstehen so recht detaillierte und Website übergreifende Nutzerprofile. Das ist zwar schon bedenklich genug, aber noch nicht das ganze Problem: Viele Trackingdienste arbeiten nicht transparent und erst recht nicht nach deutschem Datenschutzrecht. Was dann wo und mit welchen Daten angestellt wird, an wen weiterverkauft wird und mit welchen Quellen diese Nutzerdaten noch zusammengeführt werden, bleibt völlig im Dunkeln.

Beispiel:

Eine kleine Surftour in der Mittagspause

Sie beginnt mit einigen Nachrichten auf www.welt.de und wird auf netzpolitik.org fortgesetzt um der Springer Verblödung ein wenig entgegenzuwirken. Dann gibt es einen längeren Aufenthalt auf netdoktor.de um sich über die neuesten Trends auf dem Krankheitsmarkt zu informieren, irgendwo zwickt es ja schließlich immer.

Nach dem ganzen Elend möchte man sich dann noch ein bisschen über die neuesten Trends im Technikbereich informieren, stadt-bremerhaven.de ist da eine gute Anlaufstelle, und halt: Bevor man wieder so tun muss, als ob man arbeiten würde, noch schnell auf heise.de die Forumtrolle beobachten. Welche Abgründe tun sich da wohl heute auf? Oder ist man vielleicht selber einer der ….

Bis hierhin nichts Besonderes. Man freut sich seines Lebens, das Informationsbedürfnis ist erst mal gestillt.

5 Freunde Firmen freuen sich mit

Auf der Website von Track your tracker unter Tracker-Status rechts bei Abfrage „aktuelle Cross-Domain-Tracker“ oder „alle bisher bekannten Cross-Domain-Tracker“ auswählen und mehrere Internetadressen, z.B. die der letzten Shopping-Tour eingeben und staunen.

Auf das Beispiel von oben bezogen, sieht das Ergebnis folgendermaßen aus.:

Ergebnisse Track your tracker

5 gemeinsame Tracker

 

Auf den o. g. Websites werden die gleichen 5 Tracker eingesetzt. Das heißt, es laufen bei den Betreibern der Webtracker Nutzerdaten, aus den verschiedensten Bereichen des Lebens ermittelt, zusammen. So entstehen sehr umfassende und detaillierte Profile, die berufliche und private Aspekte beinhalten. Das alles wird dann im Zweifelsfall noch live von irgendwelchen Geheimdiensten mitgeschnitten oder später abgegriffen.

Was kann man aus den Besuchen der oben genannten Websites ableiten? Politische Gesinnung, körperliche Schwächen, Krankheiten, „informiert sich über Verschlüsselungstechnologie“ – ein Terrorist!

Dazu kommt noch, dass mindestens 2 der Netzwerke aus dem Beispiel nicht nach deutschem Datenschutzrecht agieren. Da hat man dann nicht mal den Ansatz einer Ahnung, was mit den Daten noch alles passiert.

Das war’s. Keine weitere Polemik mehr, das ist alles schon felsenfest in unserem Alltag verankert und läßt sich auch nicht mehr wegdenken, geschweige denn ändern.

In gewissem Rahmen steuern läßt es sich aber immer noch: Passt euer Nutzerverhalten und eure technische Ausstattung entsprechend an.

Alles, was man nicht auch seinen Eltern, Partnern, Kindern, Arbeitskollegen oder dem Chef zeigen würde, verläßt die eigene Festplatte erst gar nicht. Wenn aus irgendwelchen Gründen die Cloud genutzt werden soll, dann nur mit verschlüsselten Übertragungen auf entsprechend geschützte Speicherplätze.

Schmeißt die Suchmaschine eures Vertrauens an, es gibt da noch gewisse Möglichkeiten.

Passend dazu auf t3n.de: http://t3n.de/news/fingerprinting-stalking-144-grosse-deutsche-seiten-558809/.

t3n.de passt hier als werbefinanziertes Portal prima rein, die Seite kann man über den Frauenhofer Check abfragen, da hängen auch 10 verschiedene Webtracker dran.

Aber, was habe ich heute morgen wieder gehört: „Ist mir doch egal, ich habe nichts zu verbergen, sollen die doch ruhig alles mitschneiden.“

Dämlichstes Argument ever, aber träumt ruhig weiter!

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