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Deutsche Webseiten entfernen Google Analytics
Geschrieben von Carsten Feller am .
Viele große deutsche Webpräsenzen wie faz.de, sueddeutsche.de, welt.de, amazon.de haben den Tracking-Code von Google Analytics aus ihren Websites entfernt.
tl;dr
Die Kernaussagen auf einen Blick.
Im Februar 2011 entfernten große deutsche Websites Google Analytics aus Datenschutzgründen – ein Wendepunkt, der private Betreiber zur Umstellung auf datenschutzkonforme Tracking-Alternativen zwang.
Kernfakten:
- Von den Top 10 deutschen Websites (Alexa-Ranking) entfernten 9 von 10 den Google Analytics-Code innerhalb weniger Tage – nur bild.de behielt ihn zunächst.
- Große Medien (FAZ, Süddeutsche, Welt) und Unternehmen (Amazon.de, ebay.de) reagierten parallel auf eskalierende Datenschutzbedenken gegenüber US-basierten Tracking-Diensten.
- Als datenschutzkonforme Alternativen etablierten sich Matomo (Open Source, selbst gehostet, GPL-lizenziert) und etracker (deutscher Anbieter, ab 9,90 €/Monat netto).
Handlungsempfehlung:
Kommerzielle Websites sollten auf datenschutzkonforme Alternativen umsteigen: etracker für professionelle Anforderungen mit vollem Support, Matomo für technisch versierte Betreiber. Private Blogs können auf einfache Besucherzähler oder Server-Logdateien zurückgreifen.
→ Im Hauptartikel: Datenschutz-Entwicklung 2011, etracker vs. Matomo Vergleich, Rechtliche Risiken
Die Entfernung von Google Analytics von deutschen Webseiten war eine bedeutende Entwicklung im Februar 2011, bei der große deutsche Online-Medien und Unternehmen wie FAZ, Süddeutsche Zeitung, Welt und Amazon Deutschland den Tracking-Dienst von Google von ihren Webseiten entfernten, was eine wichtige Debatte über Datenschutz und Webanalyse-Tools in Deutschland auslöste.
Wenn ich jetzt nicht plötzlich einen Sehfehler entwickelt habe oder meine Firefox-Erweiterung GA? spinnt, haben sehr viele große deutsche Webpräsenzen wie faz.de, sueddeutsche.de, welt.de, amazon.de ... und auch google.de den Tracking-Code von Google Analytics aus ihren Webseiten entfernt.
Damit dürfte wohl die nächste Runde im Kampf um den Datenschutz eingeleitet worden sein. Bleibt zu hoffen, dass dieses unsägliche Hin und Her um Google Analytics damit demnächst ein Ende findet und endlich ein Präzedenzfall geschaffen wird, an dem man sich orientieren kann.
Drohen aktuell Klagen oder Abmahnungen?
Wenn mich jemand zu dem Thema Google Analytics befragt hat, habe ich sinngemäß immer etwas in der Richtung geantwortet, man brauche sich keine Gedanken um eine mögliche Klage oder Abmahnung zu machen, alle großen Firmen und teilweise sogar Behörden setzten diesen Dienst ein, die Masse mit der man es da aufnehmen müsse, sei einfach zu groß. Das hat sich nun wohl grundlegend geändert.
Von den laut Alexa Top10 Websites in Deutschland (google.de | facebook.com | google.com | youtube.com | ebay.de | wikipedia.org | amazon.de | spiegel.de | yahoo.com | bild.de) ist (Aktueller Stand So. 20.02.2011 13:00 Uhr) lediglich bei bild.de noch der Tracking-Code eingebunden. Alle anderen Seiten, und noch viele mehr, auch aus den Top50 , haben ihn in den letzten Tagen entfernt.
In dem Teil des WWW, den ich mittels Twitter oder RSS-Feeds überblicke, wurde darüber noch nicht berichtet. Fast alle, der überwiegend privaten Blogs bei denen ich mitlese, haben den Tracking-Code immer noch in ihre Seiten eingebunden. Ich bin gespannt, ob in den nächsten Wochen eine Welle der Veränderung durch den deutschen Teil des WWW laufen wird.
Interessant wird auch sein, wie Google reagiert. Spannenderweise ist der Werbedienst Adsense auch nicht gerade unumstritten. Da geht es für Google möglicherweise um riesige Umsatzverluste. Es wird (bleibt) also spannend.
Besteht Handlungsbedarf?
Was tun? Wer sich Sicherheit verschaffen möchte und aus beruflichen Gründen (kommerzielle Seite/Shop/Affiliate) umfangreiche Benutzerstatistiken benötigt, greift besser zu einer Alternative. Alle anderen binden einen einfachen Benutzerzähler in ihre Webseiten ein und schalten Google Analytics ab. Feierabend.
Dann kann man in Ruhe abwarten wie sich die Sache entwickelt.
Mir persönlich reicht es jetzt mit dem Theater. Meine Kunden werden umgestellt (etracker) oder die Analyse fliegt komplett raus, bzw. werden dann nur noch die Daten genutzt, die die Server-Logdateien hergeben, ist dann halt nicht mehr so umfangreich.
Mögliche Alternativen zu GA
Die Auswahlmöglichkeiten an Alternativen sind momentan nicht groß. Es bleiben zur Zeit eigentlich nur 2 Namen/Produkte übrig. Matomo und etracker.
Matomo (früher Piwik)
Matomo ist eine Open-Source (GPL lizenzierte) Webanalyse-Software die man sich herunterlädt und auf dem eigenen Server oder wo auch immer gemietetem Webspace (Shared-Hosting Paket) installiert. Matomo ist noch recht jung und von der Funktionsvielfalt nicht mit Google Analytics zu vergleichen, bietet aber im Gegensatz zu letzterem eine Echtzeitanalyse - (GA - 24 Std. Verzögerung). Die jetzt schon vorhandenen Auswertungsmöglichkeiten sollten allerdings einen Großteil der Nutzer zufrieden stellen. Schaut es euch einmal auf der Matomo Website an, es gibt dort auch eine Online-Demo.
etracker
Meine Empfehlung ist der deutsche Anbieter etracker.
etracker verspricht eine 100%ige Konformität zu deutschem Datenschutzrecht, die Auswertung ist sehr umfangreich und übersichtlich. Der Dienst ist kostenpflichtig, es sind z.b. monatlich für den kleinsten Basic-Account netto € 9,90 fällig. etracker lässt sich 21 Tage lang kostenlos testen.
Es gibt auch eine eingeschränkte aber dauerhaft kostenlose Version.
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