Nutzt ChatGPT noch Bing? Was 2026 gemessen wurde und was ich korrigieren musste
Zwei Monate lang hat ChatGPT im eigenen Datenstrom offengelegt, woher jedes einzelne Suchergebnis kam. Seit dem 21. Juli 2026 ist das Fenster zu. Was in diesen zwei Monaten gemessen wurde, macht einen Satz kaputt, den ich selbst mehrfach geschrieben habe.
Das nimmst du mit
- ChatGPT bezieht Suchergebnisse aus mindestens drei Quellen: einem eigenen Index, gescrapten Google-Ergebnissen und Bing-Daten über Microsofts Web IQ. Der Mix hängt davon ab, ob dein Kunde zahlt oder nicht.
- Der eigene Index überlappt kaum mit Bing. In der bisher größten Auswertung tauchen 1,5 Prozent seiner URLs in Bings Top 20 für dieselbe Anfrage auf. Bing-Ranking ist damit kein verlässlicher Vorhersagewert mehr für ChatGPT-Sichtbarkeit.
- Bing ist trotzdem nicht raus. Microsoft hat den Index im Juni 2026 als Grounding-API neu verpackt und nennt ChatGPT selbst als Abnehmer. Deine Bingbot-Freigabe entscheidet weiterhin mit, nur über einen anderen Weg.
- Die viel zitierte Zahl, wonach 87 Prozent der ChatGPT-Quellen aus Bings Top-Ergebnissen stammen, ist vom Februar 2025 und beschreibt ein Produkt, das es so nicht mehr gibt. Wer sie ohne Datum verwendet, verkauft eine Momentaufnahme als Naturgesetz.
- An deiner Umsetzung ändert das weniger, als der Aufreger auf LinkedIn nahelegt. Bing Webmaster Tools bleiben zehn Minuten wert. Was sich ändert, ist die Begründung, die du deinen Kunden lieferst, und die Frage, was dein Monitoring eigentlich misst.
- Ich habe die Bing-These auf mehreren Seiten dieser Website zu absolut formuliert. Was davon falsch war und was nur veraltet ist, steht weiter unten in einem eigenen Abschnitt.
Inhaltsverzeichnis
Warum das jetzt zählt
"ChatGPT nutzt Bing" ist im deutschsprachigen Raum die Standardantwort. Ich habe mir angesehen, was aktuell zu dem Thema rankt: Die Ergebnisse arbeiten durchgängig mit einem Zweischichtmodell aus Bing-Index und OpenAI-Crawler, empfehlen Bing Webmaster Tools als zentralen Hebel und zitieren dieselbe Studienzahl, meist ohne Datum. Der eigene Index von OpenAI kommt in keinem deutschen Ergebnis vor, das ich gefunden habe. Die Grounding-API von Microsoft auch nicht.
Das ist keine Katastrophe. Es bedeutet nur, dass in Pitches, Audits und Strategiepapieren gerade eine Kausalkette weitergereicht wird, die seit ungefähr einem Jahr Risse hat. Wenn du deinem Geschäftsführer erklärst, warum Budget in Bing-Optimierung fließen soll, und die Begründung lautet "sonst existieren wir in ChatGPT nicht", dann steht diese Begründung auf einer Messung von Anfang 2025.
Der Anlass für diesen Artikel ist ein LinkedIn-Beitrag von Malte Landwehr, der sich über die Verkürzung "ChatGPT nutzt Bing" ärgert und im Kern recht hat. Landwehr ist CPO und CMO bei Peec AI, davor VP SEO bei idealo und VP Product bei Searchmetrics, also jemand, der lange genug dabei ist, um die Verkürzung zu erkennen. Er verweist auf einen Beitrag im Peec-Blog von Tomek Rudzki, der die Belege zusammenträgt.
Dass Peec AI ein Monitoring-Tool für AI-Sichtbarkeit verkauft, gehört dazugesagt. Nicht als Vorwurf: Die Firma veröffentlicht regelmäßig Messungen, benennt Methodik und geht damit über das hinaus, was die meisten Anbieter tun. Es heißt nur, dass die Aussage "Bing allein reicht nicht" auch ein Verkaufsargument ist, und dass man die Belege deshalb an den Primärquellen prüft statt an der Zusammenfassung. Ich habe genau das gemacht, und an zwei Stellen kommt dabei etwas anderes heraus. Dazu weiter unten.
Der Beitrag hat eine Schwäche, die für dieses Thema symptomatisch ist: Er ist im Präsens formuliert und beschreibt damit als laufende Beobachtung, was seit sechs Wochen nicht mehr beobachtbar ist. Darunter dann die üblichen Kommentare, die eigene ChatGPT-Strategie sei jetzt kaputt. Ist sie nicht. Sie war nur nie so einfach, wie sie verkauft wurde.
Die wichtigen Begriffe, bevor es losgeht
Retrieval ist der Vorgang, mit dem ein Chatbot Dokumente heranholt, bevor er antwortet. Nicht zu verwechseln mit Training. Was im Training steckt, ist eingefroren. Was über Retrieval kommt, ist tagesaktuell und der Teil, den du beeinflussen kannst.
Fan-Out heißt: Aus deiner einen Frage macht das System mehrere Suchanfragen und führt die Ergebnisse zusammen. Du fragst nach dem besten CRM für Handwerksbetriebe, das System sucht parallel nach fünf oder zehn Varianten davon.
Grounding-API ist eine Schnittstelle, über die ein Anbieter fremden KI-Systemen Suchdaten zuliefert. Der Abnehmer betreibt keinen eigenen Crawler und sieht keine Suchergebnisseite, er bekommt Textpassagen.
Index versus Cache: Ein Index weiß, welche Dokumente es gibt und welche zu einer Anfrage passen. Ein Cache hält Kopien der Dokumente vor, damit sie nicht jedes Mal neu geholt werden müssen. Bei ChatGPT sind beide im Spiel, und die Grenze ist unscharf. Wenn ein System Inhalte monatelang ausliefert, nachdem sie im Netz gelöscht wurden, ist die Unterscheidung akademisch.
Was 2026 tatsächlich gemessen wurde
Vom 21. Mai bis zum 21. Juli 2026 lieferte ChatGPT in seinem serverseitigen Datenstrom zu jedem Suchergebnis mit, aus welcher Pipeline es stammte. Vier Werte tauchten auf: drei externe Scraping-Dienstleister und ein interner Index, der bei OpenAI offenbar Labrador heißt. Entdeckt hat das der SEO-Berater Suganthan Mohanadasan im Frühsommer. Die bisher größte Auswertung stammt von RESONEO und umfasst rund 1.200 ChatGPT-Antworten, 88.000 Suchergebnisse und 26.900 abgerufene Seiten. RESONEO hat dabei die Methodik offengelegt, inklusive der Fehlerquote des eigenen Klassifikators. Das ist der Grund, warum ich diese Zahlen verwende und nicht die aus den Zusammenfassungen, die seitdem kursieren.
Seit dem 21. Juli ist das Feld verschwunden, auf allen beobachteten Zugängen. Die Zuordnung läuft seitdem über Formatmerkmale wie Snippet-Länge und Titelform, mit einem Klassifikator, der laut RESONEO in etwa 98 Prozent der Fälle richtig liegt. Das ist der erste Punkt, den ich für wichtiger halte als die Index-Frage selbst: Der beste Beobachtungszeitraum, den wir je hatten, war zwei Monate lang und ist vorbei. Wer heute eine Aussage über ChatGPT-Retrieval trifft, arbeitet mit Indizienbeweisen.
Labrador ist nicht Bing unter anderem Namen
Das ist die entscheidende Messung, und sie ist sauber gemacht. RESONEO hat die URLs aus dem eigenen OpenAI-Index gegen Bings Ergebnisse für exakt dieselben Fan-Out-Anfragen gehalten:
1,5 Prozent der Labrador-URLs erscheinen in Bings Top 20 für dieselbe Anfrage
kein einziges Snippet stimmt mit einem Bing-Snippet überein
Bing kappt Titel hart bei 75 Zeichen, 24 Prozent der Labrador-Titel liegen darüber, der längste bei 289 Zeichen
Der letzte Punkt ist der stärkste, weil er kein Korrelationsargument ist, sondern ein Formatnachweis. Ein Titel mit 289 Zeichen kann nicht aus einem System stammen, das bei 75 abschneidet.
Dazu die Struktur dahinter: ein Discovery-Index, der Kandidaten liefert, ein Lesecache mit Volltextkopien, und eine kleine Menge Seiten, die tatsächlich live geöffnet werden. Beim Umwandeln von HTML in den Cache-Text fliegen Scripts, Iframes und JSON-LD raus. Wer seine strukturierten Daten für den Weg in die Antwort verantwortlich macht, hat damit einen weiteren Beleg dagegen.
Der Unterschied zwischen Free und Paid
Für die Praxis ist das die relevanteste Zahl aus der ganzen Untersuchung, und sie hat mit Bing nichts zu tun:
| Modus | Eigener Index | Gescrapte Google-Ergebnisse |
|---|---|---|
| Think, kostenlos | 74,7 % | 3,1 % |
| Thinking, bezahlt | 24,7 % | 75,3 % |
Zwei Menschen stellen dieselbe Frage und bekommen Antworten aus im Kern verschiedenen Korpora. Und weit über 90 Prozent der ChatGPT-Nutzer sind auf dem kostenlosen Zugang.
Was das für dich bedeutet, hängt davon ab, wen du erreichen willst. Wenn deine Käufer im Unternehmen sitzen und die Firma zahlt Team-Lizenzen, ist deine Google-Sichtbarkeit der stärkere Hebel. Wenn du Endkunden oder kleine Betriebe adressierst, sitzt dein Publikum überwiegend im kostenlosen Tier, und dort entscheidet ein Index, den du weder in der Search Console noch in Bing Webmaster Tools siehst.
Bing ist nicht verschwunden, Bing heißt jetzt Web IQ
Der Punkt geht in der aktuellen Debatte fast überall unter. Microsoft hat am 2. Juni 2026 Web IQ vorgestellt, eine Sammlung von Grounding-Schnittstellen auf Basis des Bing-Index, für Agenten-Anwendungen neu gebaut. Sie liefert Passagen statt ganzer Seiten, und Microsoft benennt Copilot und die Web-Antworten von ChatGPT ausdrücklich als Abnehmer.
Entscheidend für deine Arbeit: Web IQ bringt keinen eigenen Crawler mit. Was Bingbot sehen darf, sieht Web IQ. Deine robots.txt-Regel für Bingbot, deine WAF-Konfiguration, dein Rate-Limit, all das entscheidet weiterhin mit darüber, ob du in ChatGPT-Antworten auftauchen kannst.
An dieser Stelle wird die Formulierung im Peec-Beitrag schief. Dort heißt es sinngemäß, was wie Bing aussehe, laufe womöglich über Web IQ und sei damit "ein anderes Produkt für andere Zwecke". Auf Produktebene stimmt das. Auf Indexebene ist es irreführend, weil der Index dahinter derselbe ist. Bing ist nicht ersetzt worden, Bing ist umverpackt worden, und für deine robots.txt macht das einen Unterschied.
Der zweite Punkt, an dem ich abweiche, betrifft die Zeitachse. Im Peec-Beitrag steht, Nick Turley habe im Google-Kartellverfahren ausgesagt, OpenAI habe 2023 mit dem eigenen Index begonnen und wollte bis Ende desselben Jahres 80 Prozent der Anfragen daraus beantworten. Das gibt die Aussage nicht korrekt wieder. Berichtet wurde: Das Ziel von 80 Prozent aus dem eigenen Index galt für Ende 2025, und Turley bezeichnete es im April 2025 als weit entfernt. Der Grund für den eigenen Index waren nach der Berichterstattung ausdrücklich Qualitätsprobleme mit den Daten des bisherigen Suchpartners, also Bing.
Was ich hier korrigiere
Ich habe die Bing-These auf mehreren Seiten dieser Website vertreten, an einigen Stellen in einer Absolutheit, die heute nicht mehr trägt. Der Unterschied ist mir wichtig, weil er zwei verschiedene Fehlerklassen betrifft.
| Aussage | Status |
|---|---|
| Bing-Sichtbarkeit ist ein relevanter Faktor für ChatGPT | hält |
| Ohne Bing-Index keine ChatGPT-Sichtbarkeit | war schon 2025 zu stark, heute widerlegt |
| 87 Prozent der ChatGPT-Quellen stammen aus Bings Top-Ergebnissen | war korrekt als Momentaufnahme, gehört nur mit Datum zitiert |
| Bing-Ranking taugt als Proxy für ChatGPT-Sichtbarkeit | nur noch für den Bing-gestützten Teil |
Die härteste Stelle stand in meinem Leitfaden zum AI-Visibility-Audit. Dort habe ich Bings AI-Performance-Report als "nützlichsten verfügbaren Proxy für ChatGPT-Sichtbarkeit" bezeichnet und mit der 87-Prozent-Zahl begründet. Das war zum Zeitpunkt des Schreibens vertretbar und ist es heute nicht mehr. Ein Proxy, dessen Grundgesamtheit zu 1,5 Prozent mit dem Zielsystem überlappt, ist kein Proxy.
Zur Zahl selbst, weil sie in fast jedem deutschen Artikel zum Thema steht: Seer Interactive hat im Februar 2025 über 500 Zitierungen aus SearchGPT ausgewertet und kam auf 87 Prozent Übereinstimmung mit Bings organischen Top-Ergebnissen, gegenüber 56 Prozent bei Google. Die Untersuchung umfasste 100 Anfragen, die Autorinnen haben selbst auf die begrenzte Stichprobe hingewiesen, und sie bezog sich auf SearchGPT. Neunzehn Monate später wird sie zitiert, als beschreibe sie einen Naturzustand.
Ich habe die betroffenen Stellen auf dieser Website angepasst. Die Quartalsanalysen bleiben stehen, wie sie sind, und bekommen nur einen datierten Nachtrag. Sie sind explizit als Momentaufnahmen angelegt, und rückwirkendes Umschreiben würde genau das kaputt machen, was sie brauchbar macht.
Realitätsabgleich: So scheitert es in der Praxis
Fehler eins: Du wechselst das Tool statt der Frage. Nach so einer Meldung ist der Reflex, ein weiteres AI-Visibility-Monitoring zu abonnieren. Das ändert nichts, solange die Frage dieselbe bleibt. Nicht das Tool ist der Hebel, der Prozess ist der Hebel.
Fehler zwei: Du wirfst Bing raus. Die naheliegende Fehlreaktion auf "Bing ist nicht mehr die Hauptquelle" ist "dann brauche ich Bing nicht mehr". Falsch. Web IQ sitzt auf demselben Index, Copilot sitzt auf demselben Index, und Deep Research greift ebenfalls auf Bing zurück. Der Aufwand für Bing Webmaster Tools liegt bei einer Einrichtung und gelegentlichen Blicken. Das lohnt sich weiterhin, nur nicht mehr mit derselben Begründung.
Fehler drei: Du hältst dein Monitoring für eine Messung. Die meisten AI-Visibility-Tools schicken selbst geschriebene Prompts an die Systeme und zählen, ob deine Marke vorkommt. Auf welchem Tier das läuft, in welchem Modus, mit welchem Retrieval-Mix, steht in keinem Dashboard. Wenn dein Tool im bezahlten Modus abfragt und deine Kunden im kostenlosen unterwegs sind, misst du ein anderes System als das, in dem du sichtbar sein willst. Wenn du es nicht messen kannst, steuerst du nach Gefühl.
Was du jetzt tust und was nicht
Die Frage ist nicht, ob ChatGPT einen eigenen Index hat. Die Frage ist, ob sich daraus für dich eine andere Maßnahme ergibt. Für die meisten Betriebe im DACH-Raum lautet die Antwort: kaum.
Ändert sich nicht:
Saubere technische Basis, crawlbare Seiten, keine Blockade der Suchcrawler durch WAF oder Bot-Management
Inhalte mit konkreten, überprüfbaren Fakten im sichtbaren Text, nicht nur im Schema
Bing Webmaster Tools eingerichtet lassen
Ändert sich:
Die Begründung. "Bing-Ranking gleich ChatGPT-Sichtbarkeit" fliegt raus, auch aus Angeboten und Reportings
Die Erwartung. Bing-Erfolge übersetzen sich nicht mehr zuverlässig in ChatGPT-Erfolge, und umgekehrt
Das Monitoring-Setup. Tier und Modus gehören dokumentiert, sonst ist die Zeitreihe nicht interpretierbar
Entscheidungskriterium, falls du priorisieren musst: Sitzt dein Käufer in einem Unternehmen mit bezahlten Zugängen, arbeite an der Google-Sichtbarkeit, weil der bezahlte Modus überwiegend Google-Ergebnisse verarbeitet. Sind es Endkunden oder Kleinbetriebe, arbeite an breiter Auffindbarkeit über alle Quellen, weil du nicht steuern kannst, welche gerade greift.
Der Entscheidungsbaum
Nimm eine konkrete Frage, unter der dein Angebot gefunden werden soll, und arbeite dich durch:
Erscheint deine Domain bei dieser Frage in Google in den Top 20? Wenn nein, fehlt dir der bezahlte ChatGPT-Modus komplett. Das ist ein klassisches SEO-Problem, kein AI-Search-Problem.
Erscheint deine Domain bei derselben Frage in Bing in den Top 20? Wenn nein, fehlt dir Copilot, der Web-IQ-Anteil in ChatGPT und Deep Research. Prüf zuerst, ob Bingbot überhaupt durchkommt, bevor du an Inhalten arbeitest.
Beides ja, und in ChatGPT tauchst du trotzdem nicht auf? Dann liegt es am eigenen Index, und dafür gibt es kein Webmaster-Tool. Was bleibt, sind Erwähnungen auf Seiten, die das System ohnehin abruft, und Inhalte, die eine Frage in einem Absatz beantworten statt in einem Kapitel.
Du weißt nicht, ob du auftauchst? Dann fang hier an, nicht bei Punkt 1. Alles davor ist Aktionismus ohne Ursachenklärung.
Messung und Monitoring
Baseline: Zwanzig bis dreißig Fragen, die deine Kunden tatsächlich stellen, nicht deine Keywords. Jede davon in beiden ChatGPT-Modi, dokumentiert mit Datum, Modus und Tier. Das ist Handarbeit und dauert einen Vormittag.
KPIs, die etwas aussagen:
Erwähnungsquote je Modus, getrennt ausgewiesen. Ein Mischwert über beide Tiers ist wertlos
Anteil der Antworten, in denen deine eigene Domain als Quelle verlinkt wird, gegenüber Erwähnungen ohne Link
Statuscodes für Bingbot und OAI-SearchBot in deinen Serverlogs, wöchentlich. 403 und 429 auf erlaubten Pfaden sind ein Fund, kein Rauschen
Failure Modes:
Du misst im bezahlten Modus, deine Kunden nutzen den kostenlosen. Ergebnis: eine saubere Zeitreihe über ein System, das für dich nicht relevant ist
Du vergleichst Werte über den 21. Juli 2026 hinweg, ohne zu wissen, dass sich die Beobachtbarkeit geändert hat
Dein Monitoring erzeugt selbst Crawler-Aktivität, die du anschließend als Sichtbarkeit interpretierst
Warum Zugang vor Ranking kommt
Ein Beispiel aus meinen eigenen Logs, weil es die Reihenfolge besser erklärt als jede Empfehlung. Diese Website ist am 11. Mai 2026 um 14:41 Uhr auf eine neue URL-Struktur umgestellt worden. Die Reihenfolge, in der die Systeme zum ersten Mal eine neue URL abgerufen haben:
| Bot | Erstabruf | Abstand |
|---|---|---|
bingbot |
15:07 Uhr | 26 Minuten |
PerplexityBot |
15:33 Uhr | 52 Minuten |
ClaudeBot |
16:37 Uhr | 2 Stunden |
GPTBot |
21:40 Uhr | 7 Stunden |
OAI-SearchBot |
12.05., 11:26 Uhr | 21 Stunden |
Googlebot |
14.05., 00:10 Uhr | 2,4 Tage |
Bing war 26 Minuten nach der Umstellung da. Googlebot kam als Zehnter, nach zweieinhalb Tagen.
In der Zwischenzeit hatte ich ein Problem: Die neue Weiterleitungsregel griff zunächst nur auf die Variante mit abschließendem Schrägstrich. Wer ohne anfragte, bekam einen 404 statt eines 301. Das Fenster war rund 25 Stunden offen und produzierte neun Fehlerabrufe, verteilt auf GPTBot und meta-externalagent am 11. Mai und bingbot am 12. Mai.
In der Search Console steht davon nichts. Googlebot war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht da, und als er kam, war der Fehler behoben. Sichtbar war das ausschließlich im Serverlog. Die vollständige Auswertung steht in meiner Relaunch-Serie "Website Relaunch und AI Search".
Genau deshalb steht die Zugangsprüfung im Entscheidungsbaum vor allem anderen. Ein Ranking nützt dir nichts, wenn das System die Seite nicht abrufen kann, und die Systeme, die als Erste kommen, sind nicht die, die dein Reporting anzeigt.
Für die Bing-Frage folgt daraus eine konkrete Priorisierung. Bing Webmaster Tools bleiben drin, aber als Halbtagsaufgabe, nicht als Projekt. Der größere Posten wandert auf zwei andere Punkte: erstens die Prüfung, ob Bingbot und OAI-SearchBot überhaupt durchkommen, was in einem Log-Auszug in einer Stunde geklärt ist und erfahrungsgemäß öfter ein Problem ist als die Rankings selbst. Zweitens eine Baseline über beide ChatGPT-Modi, weil ohne sie jede weitere Maßnahme unbelegt bleibt.
Der Unterschied ist keine andere Maßnahmenliste, sondern eine andere Reihenfolge und ein anderer Zuschnitt. Ohne Ursache ist jede Maßnahme Aktionismus.
Die 60-Minuten-Checkliste
bingbot und OAI-SearchBot filtern, Statuscodes der letzten 30 Tage ansehen. Alles außer 200, 301 und 304 auf erlaubten Pfaden markieren.FAQ
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Nutzt ChatGPT noch Bing?
Ja, aber nicht mehr als Hauptquelle. Der Bing-Index erreicht ChatGPT seit Juni 2026 über Microsofts Grounding-Schnittstelle Web IQ, die Microsoft selbst als Zulieferer für Copilot und ChatGPT benennt. Daneben nutzt ChatGPT gescrapte Google-Ergebnisse und einen eigenen Retrieval-Index.
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Was ist Labrador?
Der interne Name für OpenAIs eigenen Suchindex. Er wurde sichtbar, weil ChatGPT von Mai bis Juli 2026 in seinem serverseitigen Datenstrom die Herkunft jedes Suchergebnisses mitlieferte. Seit dem 21. Juli 2026 ist das Feld entfernt.
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Bringt Bing SEO noch etwas für ChatGPT?
Ja, für einen Teil. Der Bing-Index versorgt Copilot vollständig und ChatGPT über Web IQ und Deep Research. Er deckt aber nicht mehr den gesamten Antwortraum ab, weil OpenAIs eigener Index kaum mit Bings Rankings überlappt.
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Stimmt die Zahl, dass 87 Prozent der ChatGPT-Quellen aus Bing kommen?
Sie stammt von Seer Interactive aus dem Februar 2025, basiert auf über 500 Zitierungen aus 100 Anfragen und bezog sich auf SearchGPT. Als historische Angabe ist sie korrekt. Als Beschreibung des heutigen Zustands ist sie überholt.
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Warum bekomme ich in ChatGPT andere Antworten als ein Kollege?
Weil der kostenlose und der bezahlte Modus verschiedene Quellen unterschiedlich stark gewichten. Im kostenlosen Think-Modus kommen rund drei Viertel der Ergebnisse aus OpenAIs eigenem Index, im bezahlten Thinking-Modus rund drei Viertel aus gescrapten Google-Ergebnissen.
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Muss ich meinen OAI-SearchBot-Zugang anpassen?
Prüfen ja, anpassen nur nach Prüfung. GPTBot und OAI-SearchBot sind zwei getrennte Schalter. Der eine betrifft Modelltraining, der andere Zitierfähigkeit in ChatGPT-Suchantworten. Wer pauschal alles sperrt, kauft ein Trainings-Opt-out und verliert Sichtbarkeit gleich mit.
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Helfen strukturierte Daten, um in ChatGPT zitiert zu werden?
Für ChatGPT direkt nicht. Beim Umwandeln von Seiten in den Lesecache werden Scripts, Iframes und JSON-LD entfernt. Was bleibt, ist der sichtbare Text. Für Google und Bing bleiben strukturierte Daten sinnvoll, und darüber wirken sie indirekt weiter.
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Kann ich in ChatGPT sichtbar sein, ohne bei Google oder Bing zu ranken?
Ja, das ist die praktische Konsequenz aus einem eigenen Index mit geringer Überlappung. Verlässlich steuerbar ist dieser Weg allerdings nicht, weil es für den eigenen Index kein Webmaster-Werkzeug gibt.
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Wie oft ändert sich das?
Häufiger, als einem lieb ist. Das Beobachtungsfenster war zwei Monate offen und ist geschlossen worden, ohne Ankündigung. Behandle jede Aussage über ChatGPT-Retrieval als datierte Momentaufnahme, auch diese hier.
Fazit
Die Nachricht ist nicht, dass ChatGPT einen eigenen Index hat. Die Nachricht ist, dass wir zwei Monate lang hinsehen durften und jetzt wieder nicht. Alles, was ab heute über ChatGPT-Retrieval geschrieben wird, beruht auf Indizien.
Für deine Arbeit heißt das zweierlei. Erstens: Nimm die Kausalkette "Bing gleich ChatGPT" aus deinen Unterlagen. Sie war zu einfach und ist jetzt falsch. Zweitens: Ändere deswegen nicht deine Maßnahmen, sondern deine Reihenfolge. Prüf zuerst, ob die Crawler überhaupt durchkommen. Dann bau eine Baseline, die zwischen kostenlosem und bezahltem Modus unterscheidet. Erst danach lohnt sich die Diskussion über Inhalte.
Wenn du nur eine Sache mitnimmst: Frag dein AI-Visibility-Tool, in welchem Modus und auf welchem Tier es abfragt. Wenn du darauf keine Antwort bekommst, weißt du nicht, was deine Zahlen bedeuten.